Route66 - ROADBOOK

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Start - "The Long Run" - Tour 2009 - 66: Lake Havasu - Azusa

Lake Havasu City - Needles - Barstow - Azusa

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So 19.07.2009:

 

Strecke: Lake Havasu City (AZ) - 66:Needles (CA) - Barstow (CA) - Azusa (CA)
Tachostand (mi): 16.646 Gesamt:
Gefahrene mi./km: 346 / 554 4.537 / 7.260
Time on the road: 6.00 - 15.30 Uhr (9,5 Std.)
Wetter: diesig - leicht bewölkt -sonnig, 40°-46°-40°C

Tagebucheintrag

Der Wecker klingelte heute um 5 Uhr, ich wollte der Hitze ein Schnippchen schlagen und bereits bei Tagesanbruch losfahren. Bis alles gepackt war kam ich um 6 Uhr von Lake Havasu City weg. Es hatte zwar schon über 30 Grad, aber ohne direkte Sonnenbestrahlung ist das eher angenehm zu fahren. Auf der Straße war natürlich auch noch nichts los (es ist ja auch Sonntag) und so war ich bereits eine halbe Stunde später wieder an der kalifornischen Grenze in Needles.

Kalifornien hieß mich willkommen - und zwar mit einem Schild an der Interstate, dass alle Fahrzeuge anhalten sollen und durchsucht werden. Das ist wie wenn man von Stuttgart nach München fährt und Dein Auto wird in Ulm bei der "Einreise" nach Bayern durchsucht. Arnie hält sein Bundesland recht sauber, das muss man ihm schon lassen... Als Biker hast Du jedoch wieder mal einen Bonus und ich wurde durchgewunken.
Gleich an der ersten Ausfahrt wurde ich vor Needles per Route 66-Schild wieder runtergeführt und auf eine Frontage Road neben der Interstate geleitet, die nach 2 Meilen einfach aufhörte, und das ohne "Dead End"-Zeichen. Die Straße ging ja auch weiter, allerdings hat es wohl kürzlich dazwischen ca. 50 m weggeschwemmt. Also wieder zurück auf die Interstate, bis ein paar Meilen nach Needles wieder eine 66-Abfahrt angezeigt wurde. Diesmal war die Straße ganz und ich cruiste besten Mutes an Goffe vorbei, durch Essex in Richtung Amboy. Auf den Schienen neben mir war deutlich mehr los als bei mir auf der Strasse. Alle paar Minuten kam ein ellenlanger Zug der BNSF mit meistens drei Loks zum Ziehen und eine hintendran zum Schieben. Selbst mit dem Weitwinkelobjektiv konnte ich die ganze Länge solch eines Zuges nicht einfangen. Ich könnte Euch jetzt 10 Bilder von der Fahrt durch die Mohave-Wüste zeigen, aber die sehen alle gleich aus. Die Sonne kam noch nicht durch den Dunstschleier durch und so war alles noch sehr angenehm. Es war wie vorgestern auf der Fahrt zum Death Valley, nur gab es hier halt meilenweit keine Ortschaften und Gehöfte.

 

Dann kurz vor Amboy ist ein Kiosk angeschrieben, dies entpuppte sich jedoch als Steinruine mit Grafitti-Aufschriften, ist wahrscheinlich nicht so gut gelaufen. 2 Meilen weiter auf der Suche nach einem Shoetree, von dem ich im Internet gelesen hatte, fand ich einen "Underweartree"! Hier haben sich wohl diejenigen, die keine Schuhe mehr hatten, sich den restlichen Kleidungsstücke entledigt! Eine witzige Idee, ich habe jedoch niemand ohne Schuhe und ohne Unterwäsche rumlaufen gesehen. Ein paar Meter weiter dann tatsächlich der Schuhbaum, und was für ein Prachtexemplar!

 


Roy's Cafe in Amboy war schon in Sichtweite, und ich freute mich auf einen Kaffee. Der mürrische Tankwart sagte mir jedoch, dass hier es keinen Kaffee gibt, und so trank ich eben ein Wasser ohne Pulver, machte schnell ein paar Fotos und fuhr weiter. Der Typ hatte hinten in der Hose eine Pistole stecken, wahrscheinlich braucht man die auch hier draussen so fast allein in der Wüste. Also ging es weiter vorbei am Amboy Crater, ein Vulkan, dessen schwarzes Lavagestein bis an die Strasse heran reichte. Manche Szenerien hier draußen erinnerten mich schon ein bisschen an amerikanische Roadmovies.

 



Die nächste Station war das Ludlow Cafe und Motel, aber Lust zum Reingehen hatte ich nicht besonders. Ich hätte den Alterdurchschnitt auch deutlich gesenkt. Scheint ein Sonntags-Ausflugsziel für amerikanische Senioren zu sein.

 


Ich freute mich jetzt auf das Bagdad Café in Newberry Springs und es ist fast alles noch so wie im Film "Bagdad Café - Out of Rosenheim", den ich mir noch vor 4 Wochen angeschaut habe. Das Motel nebenan, die silbernen Wohnwagen und auch die Einrichtung im Café drin ist fast noch original. Sogar das Klavier, auf dem der kleine Negerjunge immer übte, steht noch in der Ecke. Angeblich sind 60% der Gäste Franzosen, dort muss der Film wohl Kultstatus haben. Die Bedienung und der Koch waren sehr freundlich und bei dieser Gelegenheit nahm ich einen Brunch ein, ein Käse-Sandwich mit Kartoffelsalat (!). Schmeckte übrigens hervorragend, fast wie bei Muttern!


Ich hatte fast schon Barstow erreicht, da sah ich von Weitem schon am Berg das Wort Calico stehen. Die Amerikaner malen von jedem Ort dessen Anfangsbuchstaben irgendwo an einen Hügel in der Nähe, vermutlich damit die Piloten wissen wo sie sich gerade befinden... Calico war früher ein Goldgräberstädtchen, später eine verlassene Ghost Town und wurde jetzt für den Tourismus wieder liebevoll hergerichtet. Der Eintritt kostet 6$ pro Erwachsener (auch für Biker), aber ein kurzer Aufenthalt dort ist eine schöne Abwechslung.


Um 12.30 Uhr war ich schon in Barstow, meinem heutigen Etappenziel. Das kommt davon wenn man so früh aufsteht! Also beschloss ich weiterzufahren, vielleicht bis Victorville oder so wie ich eben Lust habe. Durch Barstow hindurch geht es auf der Mainstreet vorbei an wunderschönen Wandmalereien und dem historischen El Rancho-Motel.

 


Nach Barstow nahm die Luftfeuchtigkeit deutlich zu und die Hitze war viel besser zu ertragen. Ich hatte den Eindruck, als würde auch der mexikanische Einfluß hier in der Gegend zunehmen. Orte wie Oro Grande und Namen von diversen Straßen und Restaurants klingen hier sehr lateinamerikanisch. Kurz vor Oro Grande ist der Bottle Garden, Kunst oder Kitsch? Auf jeden Fall eine nette Abwechslung während der Fahrt. Ich habe auf meiner Reise Shoetrees und Underweartrees gesehen - und jetzt auch noch Botttletrees. Ein Stopp lohnt sich allemal.

 

Kurz danach sieht man auf dem Hügel gegenüber viele Heckflossen von Flugzeugen. Es handelt sich um den "Flugzeugfriedhof" der Southern California Logistics. Als Flugzeugfriedhof werden Flächen bezeichnet, auf denen Flugzeuge entweder während vorübergehender Nichtverwendung abgestellt, oder aber ausgeschlachtet und verwertet werden.

2 Meilen später stehe ich vor dem Iron Hog Saloon. Die Biker-Bar war und ist ein Klassiker und bei durchreisenden Motorradfahrern sehr beliebt. Es steht zwar "Open" auf dem Schild, offen war aber nur das Restaurant nebenan, im Saloon waren Maler zugange, anscheinend bekommt das "Eiserne Schwein" einen neuen Anstrich.

5 Minuten späten ist Victorville erreicht, man passiert den Mojave-River über eine alte Stahlbrücke und kommt direkt am California Route 66 Museum vorbei. Es war jetzt halb zwei und ich hatte immer noch nicht genug. Außerdem brannte die Sonne wieder stärker, es hatte 115 Grad Fahrenheit (46° C).

 

Also weiter, überwiegend auf der Interstate Richtung Los Angeles. San Bernardino war jetzt mein Ziel. Der Verkehr über den Cajon Summit, die letzte größere Erhebung vor dem Pazifik, nahm deutlich zu, aber er floss zügig. In San Bernardino wusste ich nicht mehr wo ich hinfahren musste und blieb einfach auf der Interstate und hielt mich Richtung Pasadena. Irgendwann bin ich dann runter und habe auch gleich in Azusa ein Motel mit Internetanschluss gefunden.

Die restlichen 35 Meilen zum Santa Monica Pier mache morgen gemütlich nach dem Frühstück, ich muss ja nicht mehr so früh raus...

Übernachtung: Super8-Motel in Azusa Bewertung:

 

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