Route66 - ROADBOOK

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Start - "The Long Run" - Tour 2009 - 66: Springfield - Oklahoma City

Springfield (MO) - Oklahoma City (OK)

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Di 07.07.2009:

 

Strecke: Springfield (MO) - Baxter Springs (KS) - Oklahoma City (OK)
Tachostand (mi): 13.333 Gesamt:
Gefahrene mi./km: 433 / 697 1.433 / 2.306
Time on the road: 8.45 - 22.30 Uhr (13,75 Std.)
Wetter: 28 - 32° C

Tagebucheintrag

Es ist jetzt 0:30 Uhr Ortszeit, in Deutschland morgens halb acht. Um 22.30 Uhr bin ich in Oklahoma City angekommen, ich musste noch rund 2 Stunden bei Nacht fahren. Nicht weil etwas passiert ist, sondern weil ich viel zu lange "herumgetrödelt" habe. Schuld daran waren 2 Garys und Red Oak II. Und natürlich ca. 1 ½ Std. "spazierenfahren", d.h. die Suche nach der ausgeschilderten Strecke, weil ich wieder einmal vor lauter Herumschauen das Abbiegeschild übersehen habe.

Los ging es um 8.45 Uhr nach einem Frühstück bei Starbucks um die Ecke. Bis ich aus Springfield herausgefunden hatte, verging locker 'mal fast eine Stunde, aber dann hatte ich die Route 66 wieder gefunden.

Vielleicht war das doch keine so gute Idee, die Übernachtungen in größeren Orten bzw. Städten zu planen, am Besten wäre es sowieso diese auf der IS-44 zu durchqueren. Verfährt man sich mal, so dauert es u.U. lange Zeit, bis man es überhaupt merkt, und genauso lange, bis man wieder richig ist. Und der Stop and Go in den Städten bei über 30° C ohne Fahrtwind macht auf dem Motorrad nicht wirklich Spaß!

 

Die erste Station war Halltown, dort wollte ich im Whitehall Antik Shop meine Visitenkarte abgeben. Aber welche Enttäuschung, der Laden war geschlossen und sah ziemlich heruntergekommen aus.

Ein paar Meter weiter jedoch kam eine schön herausgeputzte alte Tankstelle, von der ich ein paar Fotos machen wollte. Wie ich gerade anfing zu fotografieren, sprach mich ein älterer Mann an, der auf einer Bank im Schatten vor dem Schuppen nebenan saß. Sein Name war Gary und er stellte sich als Besitzer der Tankstelle heraus. Er erklärte mir, dass die alte Dame vom Whitehall Shop schon weit über 80 und krank sei, daher wäre der Shop schon einige Zeit geschlossen. Bereitwillig zeigte er mir den Schuppen, der voller Antquitäten und Überbleibsel der Route 66 war. Es war früher einmal eine Werkstatt für die vorbeifahrenden "Routies" auf dem Weg nach Kalifornien. Er bat mich anschließend in sein "Büro" (Kassenhäuschen der Tankstelle) herein, wo er Bücher und Bilder hervorholte und mir ausführlich erklärte, was ich heute noch alles zu sehen bekommen werde. Als er meine verbrannten Arme sah, empfahl er mir im Langarmshirt zu fahren. Natürlich hatte er welche vorrätig, und so kam ich für 7$ zu meinem ersten "Route 66"-Souvenir. Ich musste ihm versprechen, meine Bilder zu schicken bzw. ein Buch (wenn es das mal geben wird), was ich zum Dank für seine netten und ausführlichen Erklärungen auch gerne machen werde.

 

Zur Krönung hatte er noch ein paar "Geheimtipps" für mich parat: zum einen musste ich unbedingt im Restaurant seiner Tochter ein paar Meilen weiter einkehren (das fiel aus, es war schließlich 10 Uhr morgens!), zum anderen drückte er mir eine Handskizze in die Hand, wo in Spencer noch ein paar Meter originaler Strassenbelag und eine alte Brücke zu befahren war - was ich dann auch tatsächlich gefunden habe.

Die dritte Empfehlung, die er mir nahe legte, hatte ich sowieso auf dem Programm: Red Oak II gehört zwar nicht zu den historischen "Route 66 Roadside Attractions", ist aber auf jeden Fall einen Abstecher wert! Die Anfahrt ist zwar etwas kompliziert (es geht über kleine "Farmroads", Beschilderung gibt es noch keine), aber es ist nur ein kleiner Abstecher von wenigen Meilen kurz vor Carthage. In Red Oak II (nicht zu verwechseln mit Red Oak!) steht eine Ansammlung von Häusern, Farmen, Kirchen und Tankstellen aus allen Epochen und Regionen der U.S.A. Mit einem kleinen Rundgang erhält man so einen schönen Einblick in die amerikanischen Zeitgeschichte.

Die nächste Station, ca. 10 Meilen nach Carthage, war die alte Minenstadt Webb City. Dort steht eine Mega-Skulptur der "Betenden Hände" von Albrecht Dürer. Überhaupt gibt es in Missouri an allen Ecken und Enden Kirchen verschiedenster Glaubensgemeinschaften. Auffällig ist auch der relativ hohe Anteil Farbiger in diesem Bundesstaat, der abnimmt, je weiter man nach Westen kommt.

Wird in Joplin die entsprechende Abzweigung nicht verpasst, kommt man kurz danach ganz unauffällig und ohne erkennbare Beschilderung in den Bundesstaat Kansas, wo die Route 66 immerhin ganze 13 Meilen lang verläuft. Lediglich der Strassenbelag ändert sich. Gleich an der Ecke im ersten Ort Galena steht ein "alter Bekannter" aus dem Film "Cars" vor der historischen Tankstelle 4 Women on the Route. Eine der 4 Women stand im Laden, zwei in der Küche, die Vierte hatte heute wohl Urlaub. Es war ziemlich warm geworden, und so freute ich mich, dass ich mich ab diesem Bundesstaat für ein paar Tage meiner starren Kopfbedeckung entledigen konnte.

 

Nach einem kurzen Aufenthalt im Souvenirshop der Tankstelle ging es schon leicht schwitzend weiter nach Riverton zu den Eisler Brothers, früher ein Gemischtwarenladen, heute ein Souvenirshop. Kurz nach dem Ort war ein Stopp bei der schön restaurierten und nur einseitig befahrbahren Rainbow Curve Bridge (oder auch Marsh Arch Bridge) aus dem Jahr 1923 Pflicht. Unmittelbar darauf wird Baxter Springs erreicht, ein recht aufgeräumtes und sauberes Städtchen. Überhaupt hat man bei der kurzen Fahrt durch den Bundesstaat Kansas immer das Gefühl, als würde aus den Häusern ein Colonel in schmucker Uniform herauskommen.
Murphy's Restaurant steht verlassen da, dagegen hatte das gegenüber liegende Café on the Route geöffnet. Am Ortsausgang von Baxter Springs befindet sich dann auch gleich wieder die Staatsgrenze zu Oklahoma.

 

In Oklahoma, dem "Land des roten Mannes", wird man gleich von einer ebenfalls hübsch restaurierten Tankstelle empfangen. Die nächste Station war Miami (nicht DAS Miami), wo sich das noch intakte Coleman Theatre aus dem Jahr 1929 befindet. Eigentlich wollte ich nur ein paar Aufnahmen von aussen machen, als mich ein netter Herr ansprach, der schon einmal in Bochum gewesen ist (was so eine aufgedruckte Deutschland-Flagge auf der Weste doch nicht ausmacht!). Wir sprachen etwas über das Theater und als ich ihn fragte, ob hier tatsächlich eine echte Wurlitzer-Orgel steht, begannen seine Augen zu leuchten. Jetzt zerrte er mich fast in das Innere, stellte mir die Managerin vor und so bekam ich eine Exklusiv-Führung durch das wunderschöne Theater. Auch die Orgel stellte er extra für mich an, der Klang ist "hammermäßig". Am Schluß zeigte er mir noch seinen Sitzplatz, wo sein Name eingraviert ist. Er hieß ebenfalls Gary. Leider musste ich jetzt aber weiter, es war schon nach halb vier und ich hatte noch gut 300 km zu fahren.

 

Warum heißt der "Hamburger" eigentlich "Hamburger"?
Um die Geschichte des amerikanischen Nationalgerichts ranken sich viele Legenden. Beharrlich hält sich die durchaus nachvollziebare und glaubwürdige Variante, dass Einwanderer aus der deutschen Hansestadt Frikadellen nach Amerika mitbrachten, die dort im Laufe der Zeit mit Garnierungen unterschiedlichster Art "verfeinert" wurden und später als "Hamburger" durch Herrn Donalds wieder bei uns eingeführt wurden.

Jetzt wurde es langsam Zeit Gas zu geben und so kürzte ich immer wieder ein paar Meilen auf der Interstate ab. Dort gab es auch ein vorgezogenes Abendessen beim angeblich größten Mc Donalds der Welt in Vinita (das "Mövenpick" über die Autobahn bei Zürich ist ungefähr gleich groß).

Weitere Haltepunkte: Die Twin Bridge und der Blue Whale bei Catoosa. Beide befinden sich unmittelbar nebeneinander kurz vor dem Ort. Die Twin Bridge fällt sofort auf, da sich die Straße kurz teilt und über 2 Brücken mit unterschiedlichen Bögen führt. Der Blue Whale steht in einem kleinen ehemaligen Freizeitpark mit Badesee direkt an der Route 66. Das überdimensionale Meeressäugetier aus Glasfaser ist begehbar und vor allem für Kinder eine Attraktion.

Aufgrund akuter Zeitnot nahm ich durch Tulsa die Interstate, es dämmerte schon und ich hatte keine Lust, mich jetzt noch 100 Meilen vor Oklahoma City zu verfahren. Bei der nächstbesten Abfahrt nach der heimlichen Ölhauptstadt nahm ich jedoch wieder die Spur der Route 66 auf und erreichte kurze Zeit später, es war schon dunkel, Arcadia. Am Ortsausgang leuchtete schon von weitem die Round Barn, eine ehemalige Scheune, die aus Gründen der Widerstandsfähigkeit gegenüber Tornados (Oklahoma ist auch als "Tornadoland" bekannt) in runder Form gebaut wurde. Schräg gegenüber blinkte das Pop of Route 66, eine relativ neue Tankstelle mit einer Riesenauswahl an Flaschengetränken aller Art. Das Markenzeichen ist eine ca. 20 m hohe Flasche aus Leuchtröhren mit Strohhalm, deren Farben laufend wechseln.

 


Scenes along the Route:

 

 

Übernachtung: Best Western Bewertung:

 

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