Route66 - ROADBOOK

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Start - "The Long Run" - Tour 2009 - Grand Canyon - Kingman

Grand Canyon (AZ) - Williams (AZ) - Kingman (AZ)

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Di 14.07.2009:

Strecke:Grand Canyon (AZ) - Williams (AZ) - Seligman (AZ) 
Tachostand (mi):15.548Gesamt:
Gefahrene mi.(km:224 / 3603.648 / 5.871
Wetter:leicht bewölkt, 10 - 42 Grad 

Tagebucheintrag

Heute ist Halbzeit meines Urlaubs - erst die Hälfte rum und schon soo viel gesehen! Aber ich denke die 2.Hälfte wird etwas beschaulicher, da da Suchen der Route 66-Schilder bald entfällt. Auch die Tagesetappen werden kürzer, bei diesem Klima ist aber auch nicht mehr zu schaffen. Stundenlanges Fahren bei über 40 Grad ist ziemlich ermüdend. Es ist Zeit, neu zu packen, die dicken Sachen und die gebrauchte Wäsche kommt jetzt nach unten. Ich habe mich jetzt auch komplett gehäutet, einschließlich den Ohrläppchen, die ich natürlich anfangs nicht eingecremt hatte.

Der Wecker klingelte um 5:00, da um 5:45 Sonnenaufgang im Grand Canyon angesagt war. Im Wald auf 1500 m Höhe war es ziemlich frisch, um nicht zu sagen jämmerlich kalt (gefühlte 10 Grad). Da ich in Tusyan außerhalb des Grand Canyon Village übernachtet hatte, musste ich noch ca. 6 Meilen zur Südkante (South Rim) fahren. Das Aufstehen hat sich gelohnt, das Licht war heute morgen nahezu perfekt.

Gegen halb sieben machte ich mich auf in Richung Süden nach Williams zur nächsten Etappe der Route 66. Auf halbem Weg nach ca. 20 Meilen kommt der Ort Valle, die Heimat von Fred und Wilma Feuerstein. "Bedrock City" ist ein Freizeitpark mit Übernachtungsmöglichkeiten. Ein paar Häuser weiter gibt es noch ein kleines Luftfahrtmuseum zu sehen.

Williams ist recht schnell und kurzweilig erreicht, da die Strecke wieder hügelig und etwas kurviger wird. Ich komme gegen 8.30 Uhr dort an, freue mich auf eine gemütliche Tasse Kaffee am Strassenrand - und natürlich ist um diese Uhrzeit noch fast alles geschlossen. Das Städtchen an sich ist recht schnuckelig, von vorne bis hinten auf Route 66 eingestellt. Sogar einen "Route 66 Loop" gibt es, d.h. einmal eine Einbahnstraße rauf und auf der anderen Seite wieder zurück. Ein absolute Muss hier zu übernachten, wenn der Etappenrhytmus es zulässt! Der Ort ist der Eisenbahnknoten hinauf zum Grand Canyon. Die aus alten Filmen bekannte Santa Fé-Lokomotive samt Passagierwagon kann man hier besichtigen.
Von allen Gebäuden ist wohl das Bekannteste und auch das Schönste das Cruiser's Cafe 66 direkt am Loop, schon von weitem erkennbar durch den roten Hot Rod auf dem Dach.
Ab hier beginnt eigentlich das schönste Stück der Route 66. Man braucht keine Hinweisschilder mehr suchen, an jedem zweiten Haus ist das Logo der "motherroad" zu sehen.

 

Trotzdem geht es nochmal ein paar Meilen auf die Interstate, für den Ort Ash Fork wird sie kurz verlassen, die Abfahrt ist aber wieder sehr gut ausgeschildert. Der historische DeSoto's Beauty and Barber Shop steht zum Verkauf - "for sale by owner" steht auf einem Schild des abgesperrten Grundstücks.

Noch ein paar Meilen auf der Interstate bis zur nächsten ausgeschilderten Ausfahrt und schon kommt das Örtchen Seligman, der Geburtsort für die "Wiederauferstehung" der Route 66 in Sichtweite. Hier schlägt das eigentliche Herz der Route 66, denn der mittlerweile weltberühmte Inhaber des Souvenirlädchens mitten im Ort, Angel Delgadillo, ist dafür verantwortlich, dass die Route 66 nicht völlig von der Landkarte verschwunden ist, sondern jetzt wieder als historische Route wiederbelebt wird. 1987 gründete er aus der Not heraus die "Route 66 Association of Arizona", die heute in jedem Bundesstaat "Ableger" hat und erreichte, das die alte Strecke von Seligman nach Kingman von der Regierung als historisch anerkannt wurde. "The Guardian Angel", wie er allseits bekannt ist, hat bereits 82 Lenze auf dem Buckel, seine Frau Vilma dürfte ähnlichen Alters sein.
Ich komme ein paar Minuten nach 9 Uhr an, der Laden hatte eben gerade geöffnet. Die Verkäuferin fragt mich freundlich wo ich herkomme, und ich beginne mich vorzustellen, als der Schwiegersohn von Angel sich in unsere Unterhaltung einmischt. Angel selbst wurstelt irgendwas hinten in seinem Laden herum. Er erzählt, dass vor kurzem ein Redaktionsteam des "Spiegel" hier war und das Interview als Video zu sehen sei. Innerhalb kürzester Zeit nennen mich alle beim Vornamen ("Wuulfgäng"), seine Tochter Clarissa hat sich mittlerweile ebenfalls dazugesellt. Auch seine Frau Vilma schaut kurz herein um das Wasser für den Kaffee zu bringen, den sie extra für mich machen. Nach 15 Minuten kam es mir vor, als wäre ich ein Familienmitglied, und eben das ist auch die Philosophie von Angel Delgadillo: Mit einem "Welcome at home" begrüßt er jeden Gast der zur Türe hereinkommt, egal ob dieser etwas in seinem Laden einkauft oder nur 'mal schnell auf die Toilette möchte. Er ist sehr stolz darauf, dass sein "Giftshop" der erste Souvenirladen an der gesamten Route 66 war.

Das Tagesgeschäft erledigt mittlerweile die Tochter mit Schwiegersohn, der noch rüstige "Guardian Angel" jedoch geht in einem kleinen Nebenraum seiner eigentlichen Beschäftigung nach, dem Rasieren von Männerbärten. Als Friseur hatte er sich nämlich bis zum für die Route 66 desaströsen Bau der IS-40 seinen Lebensunterhalt verdient.

 

Mittlerweile bin ich etwas im Ort herumspaziert, und ich brauchte nur 2 Häuser weiterzugehen, um den zweiten Delgadillo im Ort zu finden. Angels Bruder Juan gehörte das "Snow Cap", eine Eisdiele, wie man sie sonst nirgends findet. Seit seinem Tod 2004 wird es von den 3 Söhnen weiterbetrieben.

Und die Geschäfte laufen wieder gut in Seligman. In etwas mehr als einer Stunde, die ich hier verbrachte, gaben sich sich eine 25-köpfige norwegische Bikergruppe und 4 Reisbusse mit Japanern, Kanadiern und Amerikanern die Klinke in die Hand. Und während der ganzen Zeit schnippelte Angel an fremden Bärten herum.

  Schließlich verabschiedete ich mich von den Delgadillos und fuhr ein paar Blocks weiter zum Copper Cart Diner, ein kürzlich innen restauriertes Restaurant typisch amerikanischer Art. Das Chicken Sandwich mit French Fries schmeckte übrigens ausgezeichnet.

 Frisch gestärkt ging es kurze Zeit später weiter nach Westen



Die Temperaturen gingen jetzt rapide auf die 40 Grad zu, dies war mit der Grund, warum ich auf einen Besuch der Grand Canyon Caverns kurz nach nach Seligman verzichtete.

 

 

Ein Bad im Colorado River wäre jedoch nicht schlecht! Dies ist in Peach Springs möglich, wenn man die ausgeschilderte Diamond Creek Rd ca 20 Meilen weit hinein in den Grand Canyon fährt. Dies ist übrigens die einzige befahrbare Straße in den Canyon hinein. Doch heute war sie kaum befahrbar, sie war nämlich under "road construction" und hatte keinen Fahrbahnbelag mehr. Nachdem ich nach 5 Meilen Schritttempo auf Schotter mindestens zehnmal von entgegenkommenden Pick-Ups eingestaubt wurde, habe ich das Unterfangen aufgegeben und bin wieder auf die Route 66 zurück.

 

Danach ging es gemütlich weiter über die Dörfer bis nach Hackberry, an dessen Ortsausgang sich der Hackberry General Store befindet. Überall Relikte aus den goldenen Zeiten der Route 66. Der Eigentümer des Ladens fuhr einmal mit seiner Frau in einer roten Corvette auf der Route 66, sah diesen Laden und kaufte ihn spontan. Heute wird die Station von dem Sohn geführt und die rote Corvette steht, mittlerweile zum Wahrzeichen des Stores geworden, immer noch an ihrem Platz.



Bis nach Kingman nahmen die Temperaturen nochmals beträchtlich zu. Die Stadt liegt am Rand der Mohave-Wüste und jetzt weiss ich ungefähr, was für Temperaturen in den nächsten Tagen noch auf mich zukommen werden. Bereits um halb drei nachmittags habe ich dort Quartier bezogen, und mich erst mal eine Stunde hingelegt.

Abends bin ich zum "Diner" ins Städtchen gefahren und habe bei Mr D'z Route 66 Diner leckere Chicken Stripes mit Pommes und Salat gegessen. Alle saßen drinnen in dem klimatisierten Restaurant, nur ich saß alleine draußen bei sehr angenehmen 30 Grad und genoss das Ambiente.

 

Übrigens habe ich mir heute im Supermarkt in Kingman eine Jeans gekauft - für umgerechnet 15 Euro und sitzt wie angegossen!

 

Übernachtung:Super8-Motel Bewertung: 

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