Sa 18.07.2009:
| Strecke: | Las Vegas (NV) - Kingman - Topock - Lake Havasu City (AZ) | |
| Tachostand (mi): | 16.300 | Gesamt: |
| Gefahrene mi./km: | 242 / 387 | 4.191 / 6.705 |
| Time on the road: | 7:00 - 14:30 Uhr (7,5 Std.) | |
| Wetter: | Anfangs diesig, dann sonnig (30-45-40 Grad C) |
Tagebucheintrag
Langsam kann ich die Siedler verstehen, die in den 1930er Jahren das "Goldene Land" Kalifornien herbeisehnten, nachdem sie schon Wochen oder Monate nach Westen unterwegs waren. Auch ich habe langsam die Hitze in der Mohave-Wüste satt und habe deshalb beschlossen, heute von Las Vegas statt bis Kingman hinunter an den (hoffentlich etwas kühleren) Stausee von Lake Havasu City an der kalifornischen Grenze zu fahren. Trotzdem werde ich noch knapp 2 Tage Wüstenluft schnuppern dürfen, die längste und schwerste Etappe von Needles nach Barstow steht mir morgen bevor.
Ich habe recht früh ausgechekt und saß bereits um kurz nach 7 Uhr auf der Road King. Der Verkehr war noch recht ruhig, heute ist ja auch Samstag. Über Henderson und Boulder City ging es auf der NV-95 nach Süden, die hinter einem Gebirgszug fast parallel zur NV-93 North (die ich vor 3 Tagen von Kingman kommend gefahren bin) in Richtung Needles führt.
25 Meilen vor Needles geht es links ab zurück nach Osten Richtung Laughlin/Kingman. Zuvor wird ein Ort passiert, der witzigerweise Calnevari heisst, wohl eine Anspielung auf das "Drei-Bundesstaaten-Eck" Kalifornien, Nevada und Arizona, in dem ich mich gerade befinde. Laughlin mit seinen knapp 8.000 Einwohnern hat nach Las Vegas und Reno die drittmeisten Casinos in Nevada. Die Stadt wurde nach ihrem Gründer Don Laughlin, dem Besitzer des Riverside Resorts, benannt, nachdem von der US Post-Behörde die Namen "Jackpot", "Riverside" und "Casino" abgelehnt wurden.
Gegenüber von Laughlin auf der anderen Seite des Colorados in Arizona liegt die Stadt Bullhead City von wo auch die meisten Casinomitarbeiter kommen. Gottseidank kann ich mich jetzt für den Rest des heutigen Tages meines Helmes entledigen, ein Braincap hätte mit Sicherheit auf dieser Reise auch genügt.
Die restlichen 40 Meilen nach Kingman gehen über hügelige und kurvige Straßen, schön zu cruisen, auch die Temperaturen sind in dieser Höhe (knapp 1000 m) wieder angenehmer.
In Kingman nehme ich wieder den Faden der Route 66 auf und statte zuerst der ehemaligen Harley Davidson-Filiale einen Besuch ab, leider ist seit Jahren niemand mehr da. Dafür am Ortsausgang von Kingman in Crazy Fred's Truck Stop, der immerhin schon als Drehort für den Film "Universal Soldier" (1992) diente. Die Trucks sind schon eine Wucht, aber auf den amerikanischen Strassen hast Du mit einem 7,5-Tonner keine Chance. Direkt hinter dem Truck Stop befindet sich eine Lokalität, wo anscheinend nur Gentlemen Eintritt haben.
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Dieser Laden ist nur abends geöffnet und so fahre ich weiter in Richtung Oatman. Nach ein paar Meilen beginnt schon der Anstieg zum Sitegrave-Pass. Mtten in der Pampa steht plötzlich die wunderschön restaurierte Tankstelle Cool Springs mit ihrem Besitzer George. George ist unheimlich nett und erzählt mir, dass gestern einige Deutsche vorbeigekommen sind. Er bietet mir ein "Route 66 - Beer" an, was ich natürlich dankend ablehne. Aus den alten Zapfsäulen vor der Station fließt natürlich kein Benzin mehr, aber innen im Haus ist sogar ein kleines Museum und ein Souvernirladen eingerichtet. Um 11 Uhr morgens hatte es laut Thermometer am Eingang bereits 100° F (≈ 38° C).
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George warnt micht noch vor den "rocks in the turns" beim Befahren des Sitegrave-Pass und tatsächlich sollte man auf der Passstraße vor Sand und Schotter aufpassen. Der Seitenstreifen ist natürlich nicht befestigt und so schleudern die Autos hin und wieder Split und Steine auf die Fahrbahn. Aber die paar Meilen zur Passhöhe und anschließend hinunter bis Oatman sind trotzdem eine willkommene Abwechslung für europäische Biker, für die ja das "Kurvenfahren" das Höchste der Gefühle ist. Beispiele unangepasster Fahrweise finden sich ab und an am Wegesrand (siehe Bild), auch viele ehemalige Schürfstellen und verlassene Goldminen sind bei der Abfahrt des Passes zu sehen.
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Auf halber Strecke den Pass hinunter steht man plötzlich in Oatman, ein Westernstädtchen wie es im Buche steht. Und dementsprechend ist natürlich der Tourismus ausgelegt, wem will man es auch verdenken, es gibt hier in der Gegend ja sonst auch nichts. Plötzlich beginnt eine Schießerei auf der Main Street, ein Cowboy geht getroffen zu Boden! Natürlich auch ein Teil des Programms für die Besucher, jeden Tag um 12 Uhr (High Noon) und um 14.30 Uhr findet das Spektakel statt. Anschließend werden die Esel losgelassen, die zutraulich und frei auf der Straße herumlaufen und mit (gekauften) Möhren gefüttert werden können. Im örtlichen Hotel hat Clark Gable schon seine Flitterwochen verbracht, na ja, jedem wie es ihm halt beliebt...
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Die restliche Fahrt den Pass hinunter ca. ab 13 Uhr war die Hölle! Nein, nicht die Straße, die war schön zu fahren, aber die Hitze war so unerträglich, so dass ich mich hinter dem Windschild der Road King versteckte um dem heissen Fahrtwind etwas zu entgehen. Die Handrücken am Lenker wurden jedoch fast geröstet, so dass ich in Golden Shores an der Tankstelle die Regenhandschuhe anzog! Dort sagte man mir auch, dass es heute 120° F hätte, das sind mal lockere 49° C!
5 Meilen später erreichte ich schwitzend Topock. Die schöne weisse Bogenbücke über den Colorado habe ich jedoch nicht fotografiert, aber ich komme ja morgen nochmals dort vorbei. Dann ging es kurz nochmals auf die I-40, allerdings zurück Richtung Osten, um sie nach 3 Ausfahrten in Richtung Lake Havasu City wieder zu verlassen. Auf der restlichen Strecke von 30 Meilen habe ich dreimal an der Tankstelle gehalten um jeweils einen halben Liter Wasser in mich hineinzuschütten (dies zum Thema "hoffentlich etwas kühler"). In Lake Havasu City angekommen, hatte ich gegen 14.30 Uhr keinen Nerv mehr ewig rumzufahren um ein Motel zu suchen, sondern bin direkt zur Arizona Tourist Information gefahren, die mir auch schnell weitergeholfen hat. Und so sitze ich jetzt mit einem halben Hitzschlag auf meinem klimatisierten Zimmer und warte bis es Abend wird, damit ich noch etwas in "Städtle" fahren kann.
Nach dem Grand Canyon ist die Wüstenstadt Lake Havasu City die zweitgrößte Touristenattraktion in Arizona. In der Stadt am aufgestauten Colorado River befindet sich schließlich auch ein europäisches Juwel: Der Öl-Milliardär Robert McCulloch, Gründer der Stadt, ersteigerte vom britischen Königshaus für knapp 2,5 Mio.$ von der britischen Regierung die London Bridge, ließ diese Stein für Stein abtragen, markieren, nach Long Beach verschiffen und hier in seiner Stadt wieder aufbauen. Dies kostete nochmals lächerliche 4,5 Mio US$. Im Jahr 1971 wurde die Brücke wieder eingeweiht. So setzt man sich in Amerika Denkmäler...
| Übernachtung: | Motel6 | Bewertung: |
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